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Wilder Freiger (3418 m) 

Der Wilde Freiger ist ein phantastischer Aussichtsberg. Über die Nürnberger Hütte oder über das Becherhaus ist er relativ unschwierig zu erreichen, doch hier soll der sogenannte Lübecker Weg von der Sulzenauhütte aus beschrieben werden: Eine kombinierte Tour aus Eis und Fels, die vor allem wegen einer längeren ausgesetzten Gratkletterei den geübten Alpinisten erfordert.
bild
Schwierigkeit
Kondition
Gefahrenpotenzial
Landschaft
Frequentierung
Hochtour | Tirol | Stubai | Stubaital

Tourensteckbrief Wilder Freiger

Anfahrt: Über die Salzburger Autobahn und Inntalautobahn Richtung Brenner; hinter Innsbruck bei der Ausfahrt Stubaital die Autobahn verlassen (wer sich die 2.50 Euro Maut sparen will, der fährt bereits eine Ausfahrt eher bei Natters raus und folgt einige Kilometer der alten Brennerstraße). Nun fährt man durch das Stubaital über Fulpmes und Neustift bis hinter die Grawaalm.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz 400 Meter hinter der Grawaalm im Stubaital (ca. 1600 m)

Route: Hüttenanstieg: Vom Parkplatz aus geht man über eine Holzbrücke und folgt dann dem gut markierten und ausgeschilderten Wanderpfad Richtung Sulzenauhütte. Nach einer knappen Stunde erreicht man einen herrlichen Almenboden, umrahmt von steilen Felswänden mit rauschenden Wasserfällen. Früher war hier ein Gletschersee, heute grasen im Sommer die Schafe. Vorbei an der schön gelegenen Sulzenaualm mit Holzschnitzereien durchschreitet man diesen Talkessel und wandert schließlich auf der Südwestseite in zahlreichen Serpentinen der Sulzenauhütte (2191 m) entgegen.
Gipfelanstieg: Man folgt der Beschilderung „Lübecker Weg“ bzw. „Blaue Lacke“ Richtung Südwesten. Nach einigen Minuten zweigt man links ab, überschreitet auf Holzplanken den Bach, der vom Sulzenaugletscher herunter kommt und steigt auf den Ausläufer eines Moränenrückens. Man wandert an etlichen Steinmännchen vorbei und hat nun zur Linken die Blaue Lacke, ein eigentlich grüner Gletschersee. Man folgt dem Moränenrücken, lässt den Abzweiger zum Aperen Freiger links liegen, und geht nun teils mühsam über Blockgestein zur Fernerstube. Dies ist der Gletscher, der vom Wilden Pfaff, Wilden Freiger und Aperen Freiger umrahmt ist. Auf einer Höhe von knapp 2.800m erreicht man den Anseilplatz; man kann aber auch schon früher aufs Eis wechseln. Zunächst recht flach, dann über eine kurze Steilstelle in einem Linksknick dem oberen Ende der Fernerstube entgegen. Am Ende des Gletschers beginnen im linken Bereich der Felsen die Markierungen für den Weiterweg auf dem Nordwestrücken des Wilden Freiger. Teils über brüchiges Gestein, teils im festen, griffigen Fels kraxelt man nun recht ausgesetzt der Südwestflanke des Wilden Freiger entgegen. An manchen Stellen erleichtern Drahtseile das Weiterkommen. Der Südwestgrat des Freiger ist jetzt noch mal eine Spur exponierter, es gibt aber stets gute Griffe und Tritte und an zahlreichen Passagen neue Drahtseile. Insgesamt klettert man an die 90 Minuten in luftiger Höhe mit großartiger Aussicht bis man das Ziel erreicht hat, den 3418 m hohen Wilden Freiger.

Abstieg: Den Gipfel verlässt man nun in südöstlicher Richtung. Über brüchiges Gestein überschreitet man auf breitem Grat den Signalgipfel und hangelt sich entlang von Drahtseilsicherungen mäßig steil den Bergrücken in Richtung Becherhaus entgegen, das man schon seit geraumer Zeit auf der gegenüberliegenden Bergkuppe thronen sieht. Im unteren Bereich wechselt die Spur auf das Eis des Übeltalferners bis man die Einschartung zum Becherhaus erreicht. Nun in gut gestuftem Fels und durchgehend Drahtseil gesichert hinauf zur höchst gelegenen Schutzhütte Südtirols (Übernachtung wegen der guten Küche und wegen des herrlichen Sonnenaufgangs empfehlenswert). Um anschließend zur Müllerhütte zu gelangen, geht man wieder hinunter zur Einschartung, und macht sich dann an die einfache Querung des Übeltalferners. In einer halben Stunde hat man die Müllerhütte erreicht.
Früher hatte man unweit der Hütte über einen sehr exponierten aber technisch unschwierigen Klettersteig wieder die Fernerstube erreicht. Doch nach einem gewaltigen Felssturz im Juli 2008 ist dies nicht mehr möglich, die Drahtseile und Eisenstifte wurden entfernt. Von dem Versuch, weiter östlich am tiefsten Punkt der Scharte, abzusteigen, ist auf jeden Fall abzuraten (erhebliche Steinschlaggefahr).
Stattdessen muss jetzt ein Umweg in Kauf genommen werden: Man folgt ab der Müllerhütte den Markierungen Richtung Wilder Freiger. Nach kurzer Zeit führen die Spuren wieder auf den Übeltalferner. Leicht ansteigend bleibt man im Aufstiegssinn rechts des Verbindungsgrates zwischen Müllerhütte und Wilder Freiger. Auf einer Höhe von etwa 3.300 Meter kommt man wieder in den Fels und kraxelt zum Südwestgrat des Wilden Freiger hinauf. So erreicht man die Stelle, die man schon beim Aufstieg passiert hat. Der weitere Abstieg zur Sulzenauhütte und dann weiter ins Tal entspricht der Aufstiegslinie.

Charakter / Schwierigkeit: Bei der Besteigung des Wilden Freiger von der Sulzenauhütte aus über den Lübecker Weg handelt es sich um eine kombinierte Tour aus Fels und Eis, wobei die Schwierigkeiten eher im Fels zu finden sind. Die Gletscherpassagen sind bei guten Verhältnissen als leicht einzustufen, die rund 90-minütige Gratkletterei auf den Wilden Freiger im Schwierigkeitsgrad I-II erfordert etwas Klettergewandtheit, wegen der Ausgesetztheit vor allem aber absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Rein technisch ist die Kletterei nicht schwierig, weil an fast allen Stellen ausreichend natürliche Tritte und Griffe zu finden sind. Und dort, wo der Fels damit geizt, hat der Mensch mit künstlichen Tritten etwas nachgeholfen.
Den Wilden Freiger wie hier beschrieben über seinen Westgrat zu erreichen, ist ein besonderer alpinistischer Leckerbissen. Die Gratkletterei ist vor allem im zweiten Teil abwechslungsreich und außerordentlich aussichtsreich. Die Tatsache, dass die meisten Bergsteiger den Wilden Freiger von der anderen, der leichteren Seite aus besteigen, verleiht der hier beschrieben Variante eine besondere Note. Besonders zu empfehlen ist eine Nacht auf dem Becherhaus. Wann sonst schläft man auf einer so exponiert gelegenen Hütte in knapp 3.200 Metern Höhe mit einer wahrlich umwerfenden Rundumsicht.

Gehzeit: Aufstieg: Parkplatz - Sulzenauhütte knapp 2 Stunden; Sulzenauhütte - Wilder Freiger 5 Stunden;
Abstieg: Wilder Freiger – Becherhaus 45 Minuten; Becherhaus über Müllerhütte und Sulzenauhütte zum Parkplatz 6½ Stunden

Tourdaten: ca. 1900 Höhenmeter

Beste Jahreszeit: Juli bis Mitte September

Stützpunkt: 1. Sulzenauhütte (2191 m), geöffnet Anfang Juni bis Anfang Oktober, 40 Betten, 100 Lager, Tel: 0043-5226-2432.
2. Becherhaus (3195 m), geöffnet 1. Juli bis Mitte September, 40 Betten, 65 Lager, Tel: 0039-0472-656377 (im Tal: 0039-0473-641490).
3. Müllerhütte (3148 m), geöffnet Anfang Juli bis Mitte September, 95 Schlafplätze, Tel: 0039-0472-647373.

Karte: Kompass Blatt 83, Stubaier Alpen, 1:50.000. Oder DAV-Karte Nr. 31/1 (Stubaier Alpen/Hochstubai); 1:25.000

Autor: Manfred Wöll

Wetter

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Stubaital
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Beschreibung: Gerade noch rechtzeitig vor dem Einruch der Nacht konnte ich dieses stimmungsvolle Foto von der Hochsalwand mit Blick auf den Wendelstein machen. Die warmen Farben des Lichts bewirkten eine unbeschreibliche innere Ruhe und Zufriedenheit. Es war wieder ein Herbst-Abend, der den schönen Tag in den Schatten stellte.
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Beschreibung: Es ist eine Binsenweisheit und doch ist man einfach immer wieder erstaunt, welch großartiger Maler der Herbst gerade in den Bergen ist. Das Bild entstand bei einer Bergtour im Salzkammergut, am Fuße des Sparber.
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Beschreibung: Der Osorscica ist ein kleiner Berg mit maximaler Aussicht. Und ein Sonnenuntergang auf dem Inselberg von Cres ist immer wieder ein großes Erlebnis!
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