17. Mai 2012 hacker-pschorr
 

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Freeski-Mountaineering - Punta Berrino

Das junge ORTOVOX-Team hat sich 6 extreme Steiltouren mit Ski vorgenommen. Diese Touren, verteilt über den ganzen Alpenraum, möchten wir euch auf tourentipp.de vorstellen.
Es geht im Bergsport längst nicht mehr nur um sportliche Höchstleistungen, Rekorde oder Erstbegehungen. Gerade deshalb blicken wir gerne auf die Pionierzeiten des Bergsteigens zurück. Damals waren die Erkunder unserer Alpen Helden, ihre Gipfelbesteigungen glichen Expeditionen. Mit natürlichen Mitteln machten sie sich die Berge ihr Eigen – ohne Fußabdrücke zu hinterlassen, die schönsten Linien immer fest im Blick. Ihre Philosophie begeistert noch heute!

Freeski-Mountaineering ist heute die natürlichste Form des Skibergsteigens. Kein Auto, kein Lift dienen als Hilfsmittel, außergewöhnlich schöne Anstiege zu erkunden – alles ganz abseits vom Pistentrubel. Steile Rinnen, enge Couloirs, exponierte Gipfel, die alles sind außer gewöhnlich, stehen im Fokus der jungen Ortovox Athleten. Für sie zählen die Ruhe und Kraft der Berge, Freundschaft, Vertrauen und die Schönheit ganz besonderer
Abfahrten. Freeski-Mountaineering oder auch Steilwandskifahren erfordert ein Höchstmaß an Vertrauen und Leistungsfähigkeit. Keine andere Sportart bestraft Fehler radikaler als Klettern und Skifahren im Grenzbereich. Das junge ORTOVOX-Team war im Frühjahr 2010 im gesamten Alpenraum unterwegs. Herausgekommen sind sechs besondere Gipfelanstiege, die sehr guten Skibergsteigern vorbehalten sind und die Bergwelt so erleben lassen, wie es die Skipioniere früherer Zeiten getan haben.

Hier der Bericht des ORTOVOX-Teams:

Punta Berrino
Punta Berrino - 10.04.2010 - von Jogy Schindler

Irgendwie sind meine Nächte vor Dolomiten Aktionen immer schlaflos. Ob im Nieselregen beim Biwak am Wandfuß, oder im Bett in Innsbruck, 2,5 Stunden von der Tour entfernt. Die steilen Türme und gelben, senkrechten Wandfluchten sind einfach zu grandios, um bei Plänen in diesem riesigen Spielplatz ruhig zu bleiben.
Punta Berrino
Diesmal wollen wir uns in einer der zahllosen Rinnen austoben, und so geht es am frühen Morgen endlich los zum Falzaregopass. Ein Photo versprach uns dort eine spannende unbekannte Rinne: in einem weiten 'S' zieht sie durch eine 150 Höhenmeter-Felswand. Eine enge Einfahrt auf den Abgrund zu, dann eine Traverse mit der Eng- und Schlüsselstelle, und schließlich über den Ausgang ins weite Kar unterhalb.
Punta Berrino
Wie sich auf der Karte zeigt heißt der kleine Spitz oberhalb Punta Berrino (2556 m) und wir können sogar mit dem Lift hinauffahren. Somit sind heute die Alpinskistiefel am Fuß, Pickel und Seil müssen aber trotzdem mit, denn die Schneelage ist weit bescheidener als auf besagtem Bild, und so rechnen wir mit einer kurzen Abseilstelle.
Schnell sind wir am Einstieg, doch da wir südseitig unterwegs sind müssen wir auf Firn warten - und den besten Moment erwischen. Erschwert ist dies durch die verschiedenen Expositionen der Linie - die Schlüsselstelle liegt mehr im Schatten als die Einfahrt.
Punta Berrino
Das Warten zehrt an den Nerven. Von oben können wir weite Teile der Rinne einsehen, und mit Steinwürfen testen wir ab und an den 'Firn-grad'. Kurz vor 12 Uhr ist es dann so weit, wir starten. Nachdem alles Material für jede Eventualität verstaut ist, setzten wir die ersten Schwünge in die Einfahrt. Der Schnee passt und unsere 190 cm-Ski sind gerade kurz genug um uns in die Rinne zu lassen.
Punta Berrino
Es wird immer steiler bis wir im 50° Gelände auf den Abgrund zuschwingen, bzw. besser gesagt umhüpfen. Nun geht‘s rechts ums Eck auf die Traverse. Wie erhofft ist es hier ebenfalls bereits aufgefirnt und wir arbeiten uns durch den felsigen Zwischenteil. Am engsten Stück zweigt eine kleine Seitenrinne ab - direkt in die Felswand. Hier hatten wir unsere Abseilstelle geplant. Wir sind nun gut im Fluss und die Verhältnisse passen, also entscheiden wir uns diese Stelle zu 'staighten'. Die Ski beschleunigen, aber 5 Meter weiter unten wird es wieder breit genug um die Ski querzustellen, wir setzen einen satten Bremsschwung.

Der Rest ist verdienter Genuss. Im besten Dolomiten Stil geht die im Fels eingebettete Rinne geschmeidig bis ins Kar, das wir freudig in weiten Schwüngen herabfliegen - dankbar für dieses intensive Erlebnis.
Diese Rinne ist ein wahrer Geheimtipp, denn von unten sieht man sie wegen ihrer schmalen Linie nur von sehr wenigen Positionen - und auf der Karte schon gar nicht.

INFO PUNTA BERRINO

• Punta Berrino Südrinne, 2556m
• 1 Std. - 200 Hm
• Versteckte, ausgesetzte Rinne durch eine Felswand über den Pisten Lagazuois/ Cortinas
• Beste Zeit: Februar - März
• Talort: Cortina
• Ausgangspunkt: Passo Falzarego
• Route: Mit der Seilbahn auf den Lagazuoi, von dort der Piste zum Falzaregopass folgen, diese beim ersten Steilstück südwestlich verlassen und zum Felsspitz der Punta Berrino queren. Hier Einstieg in die S förmige Rinne. Auf jeden Fall begutachtet man die Route vorab von der Straße aus, oder von der Piste unterhalb.
• Anreise: Pustertal – San Lorenzo di Sebato – Passo Falzarego
• Bergbahn: Skigebiet Lagazuoi/ Cortina, Betrieb bis Anfang April, Tel. +39 0436 862171, • Karte: Tabacco, 1:25000, Blatt 03, Cortina d'Ampezzo e Dolomiti Ampezzane

Alle Bilder und Texte: ORTOVOX



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